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Ratgeber

BauCode NRW: Was die neue Landesbauordnung ab September 2026 für Hagen bedeutet

31. August 2026

Von Marc Günther, Geschäftsführer der R&G Wirtschaftskanzlei

Kurz beantwortet: Der BauCode NRW — das dritte Update der Landesbauordnung — gilt ab dem 1. September 2026 und macht Bauen in Nordrhein-Westfalen digitaler, schneller und deutlich freier: Elektronische Bauanträge werden zur Regel, im vereinfachten Verfahren gilt eine Genehmigung unter bestimmten Bedingungen automatisch als erteilt, wenn die Behörde nicht fristgerecht entscheidet (Genehmigungsfiktion), der Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnraum wird im Innenbereich weitgehend genehmigungsfrei, und die Umwandlung von Büros und Ladenlokalen in Wohnungen wird spürbar erleichtert. Für Hagen erwartet der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses ausdrücklich „schnellere und einfachere Baugenehmigungen". Was das für Eigentümer, Bauherren und Investoren im Einzelnen heißt — und wo die neue Freiheit auch neue Verantwortung bedeutet —, ordnet die R&G Wirtschaftskanzlei in Hagen hier ein.

Was sich mit dem BauCode NRW konkret ändert

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung spricht selbst von einem „in Teilen radikalen, aber notwendigen Wandel". Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  • Digitale Bauanträge werden zur Regel. Papierunterlagen weichen standardisierten elektronischen Verfahren — das beschleunigt Einreichung, Rückfragen und Bearbeitung.
  • Genehmigungsfiktion im vereinfachten Verfahren. Entscheidet die Behörde nicht innerhalb der Frist, gilt die Genehmigung unter bestimmten Bedingungen als erteilt. Das setzt Verwaltungen unter produktiven Zeitdruck — und gibt Bauherren Planungssicherheit.
  • Dachausbau wird leichter. Die Genehmigungsfreistellung wird ausgeweitet, insbesondere für den Ausbau von Dachgeschossen zu Wohnzwecken samt Dachgauben im Innenbereich.
  • Aus der Bauordnung wird eine „Umbauordnung". Umbau und Umnutzung bestehender Gebäude werden erleichtert — allen voran die Umwandlung von Büros und Ladenlokalen in Wohnraum; auch Anforderungen an Tageslicht und Aufstockungen werden praxisgerechter.
  • Weniger Normen-Ballast. Statt des gesamten DIN-Katalogs bleibt nur das sicherheitsrelevante Recht verbindlich — nach Ministeriumsangaben rund ein Zehntel der bisherigen Regelungsmasse.
  • Kosten sinken an einzelnen Stellen messbar: Die doppelte Gebäudeeinmessung entfällt; die Vermessungskosten sollen dadurch um rund 20 Prozent sinken. E-Ladesäulen werden verfahrensfrei.
  • Mehr Eigenverantwortung. Bauherrschaften und Fachplaner übernehmen mehr Verantwortung selbst, Behörden prüfen weniger — das beschleunigt, verlagert aber auch Sorgfaltspflichten.

Warum das für Hagen besonders interessant ist

Jörg Klepper, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion und des Stadtentwicklungsausschusses, erwartet für die Stadt „standardisierte Bearbeitungsprozesse, die zu schnelleren und einfacheren Baugenehmigungen in Hagen führen" — die Verwaltung sei dafür „technisch gut ausgestattet". Gerade die Genehmigungsfiktion dürfte dem Hagener Bauamt Beine machen: Wer fristgerecht vollständige Unterlagen einreicht, wartet künftig nicht mehr unbegrenzt.

Dazu kommt die Hagener Ausgangslage: Die Stadt hat gewachsene Stadtteile mit älterem Bestand, Leerstand in Büro- und Ladenflächen — und gleichzeitig Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum. Genau diese Kombination adressiert die „Umbauordnung": Das ungenutzte Ladenlokal in Wehringhausen, die Büroetage in der Innenstadt, das unausgebaute Dachgeschoss in Boele — vieles davon wird ab September rechtlich leichter zu Wohnraum.

Gilt das auch in Lüdenscheid, Iserlohn und dem Märkischen Kreis?

Ja — der BauCode NRW ist Landesrecht und gilt ab dem 1. September überall in Nordrhein-Westfalen, also genauso in Lüdenscheid, Iserlohn und dem gesamten Märkischen Kreis. Unterschiede gibt es nicht bei den Regeln, sondern beim Vollzug: Im Märkischen Kreis führen die größeren Städte — Altena, Hemer, Iserlohn, Lüdenscheid, Menden, Plettenberg und Werdohl — ihre eigene untere Bauaufsicht, für die übrigen Kommunen ist die Bauaufsicht des Kreises in Lüdenscheid zuständig. Wie schnell die neuen digitalen Verfahren dort jeweils gelebte Praxis werden, wird sich je Bauamt unterscheiden — die Genehmigungsfiktion setzt aber allen Behörden dieselben Fristen. Gerade für die MK-Städte mit ihren Ortskernen und älterem Gebäudebestand gilt das Umnutzungs-Potenzial (Laden → Wohnung, Dachausbau) übrigens mindestens so sehr wie für Hagen.

Schon 2024 unser Thema: vom Bau-Turbo zum BauCode

Baubeschleunigung ist kein neuer Gedanke — schon vor zwei Jahren haben wir uns im Video ausführlich mit dem Bau-Turbo-Pakt und der Frage beschäftigt, wie Bauen schneller und einfacher werden kann. Der BauCode NRW setzt diesen Weg jetzt auf Landesebene konsequent fort und geht in Digitalisierung und Genehmigungsfreiheit deutlich weiter:

Der Bau-Turbo-Pakt – So einfach war bauen noch nie! (R&G Video, 2024)

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Was heißt das praktisch — für Sie?

Für Eigentümer: Ein ausbaufähiges Dachgeschoss ist ab jetzt ein handfestes Wertargument. Wer verkaufen will, sollte dieses Potenzial in der Marktwertermittlung beziffern lassen — und wer bleibt, kann über den Ausbau als Alternative zum Umzug nachdenken. Die Finanzierungsseite dazu erklärt unser Beitrag zum Modernisierungskredit.

Für Bauherren und Käufer: Digitale Verfahren und Genehmigungsfiktion verkürzen die Strecke vom Plan zum ersten Spatenstich — aber sie belohnen Vorbereitung: Die Fiktion greift nur bei vollständigen, sauberen Unterlagen. Wer parallel die Finanzierung strukturiert (Stichwort Bereitstellungszinsen bei Bauvorhaben), verliert an keiner Stelle Zeit.

Für Investoren: Die erleichterte Umnutzung von Gewerbe- zu Wohnflächen öffnet in Hagen ein Feld, das bisher oft an Verfahrensdauer und Auflagen scheiterte. Aufstockung und Umwandlung werden kalkulierbarer — die Eckpunkte der Finanzierung solcher Vorhaben zeigt der Überblick Gewerbeimmobilie finanzieren, die Bewertungslogik der Banken unser Beitrag zu Bonität und Bankrating.

Die ehrliche Einordnung: Freiheit ist nicht Freibrief

Zwei Punkte gehören zur Wahrheit dazu. Erstens: Mehr Eigenverantwortung heißt mehr Haftung. Wo die Behörde weniger prüft, tragen Bauherrschaft und Fachplaner die Verantwortung selbst — am guten Architekten oder Statiker zu sparen wird damit riskanter, nicht sicherer. Zweitens: Genehmigungsfrei heißt nicht regelfrei. Auch der freigestellte Dachausbau muss dem geltenden Planungsrecht und den sicherheitsrelevanten Vorschriften entsprechen; die Regeln gelten weiter — sie werden nur nicht mehr vorab von der Behörde kontrolliert.

Für Immobilienentscheidungen in Hagen und dem Märkischen Kreis heißt das: Die Chancen ab September sind real — Dachausbau, Umnutzung, schnellerer Neubau. Den Wert eines Potenzials und seine Finanzierung sollte man aber genauso nüchtern rechnen wie vorher: Termin vereinbaren.


Quellen: Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW — Pressemitteilung zum BauCode NRW · CDU-Ratsfraktion Hagen — Klepper begrüßt BauCode NRW