Ratgeber
Baufinanzierung ohne Eigenkapital – geht das in Hagen?
1. Juli 2026
Von Marc Günther, Geschäftsführer der R&G Wirtschaftskanzlei
„Kann ich in Hagen kaufen, obwohl ich kaum Eigenkapital habe?" – diese Frage hören wir oft. Die ehrliche Antwort: Ja, im Einzelfall ist das möglich. Aber es ist nicht für jeden sinnvoll, und es hat seinen Preis. In diesem Beitrag ordnen wir nüchtern ein, wann eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital funktioniert und worauf es dabei ankommt – ohne Schönrechnerei. Den Gesamtüberblick zum Thema finden Sie auf unserer Seite zur Baufinanzierung in Hagen.
Voll- und 100-Prozent-Finanzierung: der Unterschied
Zwei Begriffe werden hier häufig verwechselt:
- 100-Prozent-Finanzierung: Die Bank finanziert den kompletten Kaufpreis. Die Kaufnebenkosten zahlen Sie aus eigener Tasche.
- Vollfinanzierung (110 %): Die Bank finanziert Kaufpreis und Nebenkosten – Sie bringen also gar kein Eigenkapital ein.
Beides gibt es am Markt, aber je weniger Sie selbst einbringen, desto höher ist das Risiko für die Bank – und desto genauer schaut sie hin.
Für wen kommt das infrage?
Eine Finanzierung ohne oder mit sehr wenig Eigenkapital passt am ehesten zu Menschen mit sicherem, gutem Einkommen und stabiler beruflicher Situation – etwa Angestellte in unbefristeter Anstellung oder Beamte. Wer gut verdient, aber noch keine Ersparnisse aufbauen konnte (z. B. am Anfang der Karriere), kann so früher in die eigenen vier Wände. Für Haushalte mit schwankendem Einkommen oder wenig Puffer ist sie dagegen selten die richtige Wahl.
Was die Bank prüft
Ohne Eigenkapital-Polster verlässt sich die Bank stärker auf drei Faktoren:
- Bonität: saubere Schufa, verlässliches Einkommen, keine übermäßigen laufenden Verpflichtungen.
- Objektqualität: Lage, Zustand und Wiederverkäuflichkeit. Die Bank finanziert den Beleihungswert, nicht Ihren Wunschpreis – und der Beleihungsauslauf ist bei einer Vollfinanzierung besonders hoch.
- Tragfähigkeit: Passt die Rate dauerhaft zu Ihrem Haushalt – auch mit Puffer?
Der Preis: höherer Zins
Mehr Risiko für die Bank bedeutet in der Regel einen höheren Zinssatz als bei einer Finanzierung mit Eigenkapital. Über 20 bis 30 Jahre kann das eine erhebliche Summe ausmachen. Deshalb gilt: Wenn Sie zumindest die Nebenkosten selbst tragen können, sollten Sie das tun – schon das verbessert Ihre Konditionen spürbar. Wie viel Eigenkapital wirklich sinnvoll ist, erklären wir im Beitrag Wie viel Haus kann ich mir leisten?.
Wie stark schon wenige Zehntel beim Zins durchschlagen, können Sie hier direkt ausprobieren:
Der Knackpunkt: Kaufnebenkosten
Die Nebenkosten sind der eigentliche Grund, warum „ganz ohne Eigenkapital" schwierig ist. In NRW summieren sich Grunderwerbsteuer (6,5 %), Notar und Grundbuch (~1,5–2 %) sowie ggf. Maklerprovision auf rund 8–12 % des Kaufpreises. Dieses Geld fließt nicht in den Wert der Immobilie – es ist für die Bank also „verlorenes" Kapital, das sie ungern mitfinanziert. Wer die Nebenkosten selbst deckt, hat es deutlich leichter.
Rechenbeispiel aus Hagen
Nehmen wir eine Doppelhaushälfte in Hagen zum Durchschnittspreis von rund 300.000 € (Grundstücksmarktbericht 2026, siehe Immobilienpreise Hagen 2026). Ohne Makler kommen grob 24.000 € Kaufnebenkosten hinzu (19.500 € Grunderwerbsteuer plus rund 4.500 € für Notar und Grundbuch).
- 100-Prozent-Finanzierung: Die Bank finanziert die 300.000 €, Sie bringen die 24.000 € Nebenkosten selbst mit.
- Vollfinanzierung (110 %): Die Bank finanziert 324.000 €. Der Beleihungsauslauf liegt dann über 100 % des Beleihungswerts – das kostet in der Regel einen deutlichen Zinsaufschlag.
Schon 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte mehr Zins summieren sich bei dieser Summe über zehn Jahre auf einen fünfstelligen Betrag. Genau deshalb lohnt es sich fast immer, zumindest die Nebenkosten aus Eigenkapital zu tragen.
Unser Rat
Eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital ist kein Tabu – aber sie will gerechnet sein. Als R&G Wirtschaftskanzlei vergleichen wir über unsere eigene Finanzierungsabteilung unabhängig die Angebote vieler Banken und finden heraus, welche Institute Ihr Vorhaben realistisch begleiten. Und weil Makler- und Finanzierungsteam bei uns zusammenarbeiten, bewerten wir das Objekt und die Finanzierung aus einer Hand.
- Zum Überblick: Baufinanzierung in Hagen
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Häufige Fragen
Ist eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital in Hagen realistisch?
Ja, im Einzelfall. Voraussetzung sind ein sicheres, gutes Einkommen, eine saubere Bonität und ein wertstabiles, gut wiederverkäufliches Objekt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen 100-Prozent-Finanzierung (Kaufpreis) und Vollfinanzierung (110 %, inklusive Nebenkosten).
Wie viel teurer ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital?
Das hängt vom Beleihungsauslauf ab. Je höher der finanzierte Anteil, desto größer der Zinsaufschlag – oft mehrere Zehntel Prozentpunkte, die sich über die Laufzeit zu einem fünfstelligen Betrag summieren können.
Sollte ich lieber warten und erst Eigenkapital ansparen?
Nicht pauschal. Wer sicher verdient und in einem steigenden Markt kauft, kann mit einem frühen Einstieg unterm Strich besser fahren – vorausgesetzt, die Rate ist dauerhaft tragfähig. Das rechnen wir individuell durch.
Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Finanzierungsberatung. Ob eine Finanzierung ohne Eigenkapital in Ihrem Fall tragfähig ist, klären wir gern gemeinsam – ehrlich und auf Ihre Situation zugeschnitten.